So.WIN-Workshop im Zeichen der Nachhaltigkeit bei Sto im Schwarzwald

Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft: Chemie-Sozialpartner diskutieren gute Beispiele

Frank Heßler, stellvertretender Landesbezirksvorsitzender der IG BCE Baden-Württemberg, begrüßte gemeinsam mit Prof. Dr. Golla, Geschäftsführer Chemie-Verbände Baden-Württemberg, die mehr als dreißig Teilnehmer: Sie waren für zwei Tage zur baden-württembergischen Regionalveranstaltung der „Sozialpartner-Werkstatt Innovation und Nachhaltigkeit“ (So.WIN) in den Süden des Landes gekommen.

Golla und Heßler hoben die Bedeutung der Gemeinschaftsveranstaltung von Chemie-Arbeitgebern und Gewerkschaft hervor. In intensiven Diskussionen konnten die notwendigen Voraussetzungen für eine funktionierende Wirtschaft aus verschiedenen Blickrichtungen in der nötigen Tiefe behandelt und reflektiert werden: Immer inklusive bei So.WIN in Baden-Württemberg ist der Blick in die Praxis der Unternehmen. Bei der Veranstaltung „Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz“ haben Unternehmensvertreter und Betriebsräte die Praxis am Beispiel der der Sto SE in Stühlingen erkundet.

Aus zahlreichen Unternehmen waren sie teilweise auch als „Tandem“ nach Titisee-Neustadt gekommen. Sie alle – ob Betriebsräte beispielsweise im Umweltarbeitskreis des Unternehmens oder als Umwelt-Verantwortliche – kamen mit der Idee in die Veranstaltung, neue Impulse aus den Vorträgen mitzunehmen und in den Diskussionen den Austausch über nachhaltiges Wirtschaften zu pflegen und hieraus voneinander zu lernen.

Chemie hoch drei – Stand der Dinge

Xaver Schmidt ist bei der IG BCE Leiter der Abteilung „Vorsitzender“ in Hannover und dort unter anderem zuständig für die Nachhaltigkeitsinitiative „Chemie hoch drei“. Er sieht durch diesen gemeinsamen Ansatz von Gewerkschaft, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband beim Thema Nachhaltigkeit die chemische Industrie vorne dran – die „anderen Branchen müssen bezüglich eines solch kooperativen Ansatzesnoch liefern“.

Viele Vorgaben aus Brüssel

Wohin geht die Reise bei der „Kreislaufwirtschaft“? Prof. Dr. Golla, beim VCI in Frankfurt zuständig für Abfall- und Kreislaufwirtschaftsrecht, stellte die Vorstellungen, Planungen und ganz konkreten Vorschriften zur EU-Kreislaufwirtschaft vor. Ziel der „circulareconomy“ in Brüssel ist der Übergang von der linearen Wirtschaft mit Produkten und Abfällen hin zu einem Kreislauf, der immer weniger Abfallstoffe produziert: alles soll irgendwie verwertet werden. Aber Golla wies darauf hin, dass es unbedingt nötigsei, nicht nur über Abfälle zu sprechen – sondern Stoffkreisläufe mehrdimensional zu betrachten.

Im Endeffekt sind pauschale Betrachtungen nicht sinnvoll und praktisch auch fast unmöglich umsetzbar, so Golla. Es müssen gesamte Produktzyklen betrachtet werden und gerade beim Thema Abfall alle Verwertungswege mitgedacht werden. Golla appellierte an den gesunden Menschenverstand: „Was ist denn besser – wenn moderne Verbundwerkstoffe Autos immer leichter machen, diese aber damit komplizierter recycelt werden können – oder wenn auf diese Werkstoffe verzichtet wirdund Autos dann mehr Benzin verbrauchenoder die Reichweite von Elektroautos verkürzt ist?“

Gemeinsam mehr erreichen

LANXESS ist ein „junges“ Unternehmen, gemessen am Alter des Bayer-Konzernes, aus dem der Spezialchemie-Hersteller entstanden ist. Dort wird sehr intensiv miteinander – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – gearbeitet, um Themen wie Ressourceneffizienz im Unternehmen zu verankern. Dr. Rüdiger Herpich, Direktor HSEQ und Anton Böhm, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, stellten gemeinsam im Tandem-Vortrag Strukturen, Abläufe und konkrete Beispiele dazu vor.

LANXESS in Mannheim kann zahlreiche erfolgreiche Beispiele zeigen, mit denen die Ressourceneffizienz in chemischen Fertigungsprozessen erheblich gesteigert werden konnte. Dazu gehört beispielsweise eine Phenol-Rückgewinnung, die im Wesentlichen auf einer Kreislaufführung eines Rohstoffs basiert: 150 Tonnen Phenol können so jedes Jahr eingespart werden. Das lohnt sich finanziell und für die Umwelt in vielerlei Hinsicht. Gleiches gilt für die Transportsicherheit und den Arbeitsschutz.

Herausforderungen für Sto

„Bewusst bauen“ – der Anspruch des Baustoff-Herstellers aus Stühlingen-Weizen in Südbaden zeigt: Der große Mittelständler entwickelt seine Produkte immer mit dem Gedanken an die Nachhaltigkeit. Dr. Eike Messow, Leiter Nachhaltigkeit bei der Sto SE, erläuterte anhand von Wärmedämmsystemen die Zielkonflikte zwischen effektivem Nutzen der Anwendung und der Herstellung von einfach zu recycelnden Produkten: So könnten mit effektiver Wärmedämmung etwa 7 Prozent des gesamten Erdölverbrauches in Deutschland eingespart werden – und dafür müssten nur 0,1 Prozent der Erdölmenge in Dämmstoffen eingesetzt werden. Messow trat dafür ein, dass auch eine gezielte energetische Verwertung von Altprodukten oder Resten im Sinne der Kreislaufwirtschaft als nachhaltig gewertet wird, wenn dies ökobilanziell Sinn macht. Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt, wie intensiv Sto mit Innovationen an einer immer besseren Nutzung von Dämmsystemen, Fassadenfarben oder Putzen arbeitet.

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