Industriebeschäftigte in Baden-Württemberg: Arbeitsverdichtung durch Digitalisierung

IG-BCE-Umfrage: Industriebeschäftigte gehen Digitalisierung selbstbewusst an, berichten aber von starker Arbeitsverdichtung.

Die Industriebeschäftigten in Baden-Württemberg gehen die Digitalisierung in ihren Branchen selbstbewusst an. Weder sehen sie durch den Wandel ihre Jobs in Gefahr, noch fühlen sie sich durch die wachsenden Anforderungen überfordert. Auch sind sie mehrheitlich offen für Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz. Allerdings spürt jeder Zweite einen steigenden Arbeits- und Zeitdruck – das sind mehr als im Bundesschnitt. Gleichzeitig sind die betrieblichen Rahmenbedingungen für Weiterbildungen zum Thema Digitalisierung schlechter als in den meisten anderen Regionen Deutschlands.

Das hat die regionale Auswertung des „Monitors Digitalisierung“ ergeben – eine der größten Umfragen unter Industriebeschäftigten, die in Deutschland bislang zu dem Thema durchgeführt wurde. Dazu hat die Stiftung Arbeit und Umwelt im Auftrag der IG BCE Beschäftigte aus den Branchen der Gewerkschaft befragen lassen – von Chemie- und Pharmaindustrie über Kautschuk-, Papier- und Kunststoffbranche bis zu Energie- oder Zementwirtschaft.

An der repräsentativen Online-Erhebung haben sich in Baden-Württemberg 1200 Beschäftigte beteiligt – unter anderem des Mannheimer Hygieneprodukthersteller Essity, des Pharmaunternehmens Pfizer Manufacturing in Freiburg und der Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe.

Einige Ergebnisse in Kürze:

70 Prozent der Beschäftigten in Baden-Württemberg in den Branchen der IG BCE trauen sich zu, mit der Digitalisierung auch in Zukunft Schritt halten zu können (bundesweit: 71 Prozent).

66 Prozent haben keine Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren (bundesweit: 64 Prozent).

50 Prozent kritisieren eine wachsende Arbeitsverdichtung durch Digitalisierung (bundesweit: 47 Prozent).

55 Prozent sind offen für Veränderungen am Arbeitsplatz (bundesweit: 54 Prozent).

64 Prozent halten eine stringente Digitalisierungsstrategie ihres Betriebs für unabdingbar für dessen Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft (bundesweit: 66 Prozent).

54 Prozent haben darüber heute jedoch kein klares Bild (bundesweit: 56 Prozent).

19 Prozent geben an, im Betrieb die notwendigen Rahmenbedingungen für eine Weiterbildung zu Themen der Digitalisierung vorzufinden (bundesweit: 25 Prozent).

„Die Beschäftigten im Baden-Württemberg wollen die Digitalisierung aktiv mitgestalten – aber in vielen Betrieben ist noch unklar, wohin die Reise genau gehen soll“, sagt Catharina Clay, Leiterin des IG-BCE-Landesbezirks Baden-Württemberg. „Durch mehr Mitbestimmung, eine bessere Einbindung aller Beteiligten und mehr Engagement der Unternehmen in Fragen der Weiterbildung können wir auch in Zukunft gute Arbeit gestalten."

Deshalb will die IG BCE in der im September startenden Chemie-Tarifrunde eine Qualifizierungsoffensive durchsetzen. Gleichzeitig fordert sie ein Zukunftskonto, das den Beschäftigten angesichts der stetig wachsenden Arbeitsbelastung Möglichkeiten für mehr Freizeit bieten soll. Die Verhandlungen in Baden-Württemberg starten am 10. Oktober in Karlsruhe.

Nach oben