Chemie-Tarifrunde Baden-Württemberg endet ohne Ergebnis

Branche mit 2,8 % im Plus - Catharina Clay: „Zahlen des statistischen Landesamtes beweisen: Weit weg von Rezession“

Die erste Verhandlungsrunde für die rund 73.000 Beschäftigten in der baden-württembergischen Chemie-Industrie endete ergebnislos. Die Tarifkommission der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Baden-Württemberg wies die Argumentation der Arbeitgeber, die Industrie befinde sich in einer Rezession, entschieden zurück: „Laut den Veröffentlichungen des Statistischen Landesamtes stieg der Umsatz der Branche im 1. Halbjahr 2019 um 2,8 %, gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Umsatzplus setzt sich also nach acht Rekordjahren in Serie weiter fort“, konterte Landesbezirksleiterin und Verhandlungsführerin Catharina Clay. „Die schwarzen Wolken der Arbeitgeber sind klar herbei geredet. Anscheinend sind die Unternehmen von den Rekordgewinnen der Vergangenheit zu verwöhnt, um sich jetzt mit 2,8 % Wachstum zufrieden zu geben.“

KLAUS LANDRY FOTOGRAFIE

Chemie-Tarifrunde 2019 - Verhandlungen Baden-Württemberg

In den Verhandlungen forderte Clay, dass die Arbeitgeber endlich das Thema Fachkräftemangel angehen müssten. Das Forderungspaket der Gewerkschaft (siehe unten) liefere hierfür innovative Instrumente, um den Arbeitnehmern Entlastung, Gesundheit und selbstbestimmte Arbeitszeiten zu ermöglichen. „Die Arbeitgeber beschweren sich wieder und wieder über fehlende Fachkräfte. Wenn Sie an leistungsfähigen und motivierten Belegschaften interessiert sind, sollten sie erkennen, dass unsere Forderungen genau hier ansetzen“, betonte Clay.

Daran knüpfte Tarifkommissionsmitglied Beate Nörenberg von Roche Mannheim an: „Bei uns sind Produktion, Vertrieb und Logistik ansässig. Daher sind viele unterschiedliche Arbeitszeitlagen vorgegeben und die Belastung nimmt zu. Familie und Beruf steht immer mehr im Mittelpunkt. Wenn wir als Chemie-Branche weiterhin attraktiv bleiben wollen, um Fachkräfte zu binden und finden, müssen wir gemeinsam flexible Arbeitszeiten, die den einzelnen
Lebensphasen entsprechen, ermöglichen und neue Arbeitsformen zulassen.“

Die IG BCE Baden-Württemberg bleibt auch nach dem Ende der ersten Verhandlungsrunde bei ihren Forderungen:

  1. Die Schaffung eines persönlichen Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1.000 Euro, über das jeder Beschäftigte individuell verfügen kann: ob zur Umwandlung in zusätzliche freie Tage oder zum Ansparen auf einem Langzeitkonto – etwa, um in bestimmten Lebensphasen eine längere Auszeit nehmen zu können. Denkbar ist auch die Nutzung zur Altersvorsorge oder die direkte Auszahlung. Der Betrag ist tarifdynamisch zu gestalten.
  2. Eine reale und spürbare Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen.
  3. Eine Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels.
  4. Einführung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung. Sie wird durch die Arbeitgeber finanziert.


Die IG BCE Baden-Württemberg hat den laufenden Entgelttarifvertrag für die Chemische Industrie Baden-Württemberg zum 30.11.2019 gekündigt. Die Tarifkommission des Landesbezirks hat nun die Bundestarifkommission der IG BCE damit beauftragt, in ihrem Auftrag weiter zu verhandeln. 1. Verhandlungstermin ist der 21./22.10.2019.

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